Die Datenbank für Lebensmittelzusatzstoffe
  Di 02.09.2014 | 13:32 Uhr
Schnellsuche
Suchen Sie nach einem Zusatzstoff (mindestens 3 Buchstaben eingeben)
Schriftgröße ändern
1 2 3

Gesundheit

ADI-Wert: Wie viel Zusatzstoff darf's sein?


Als Maß für die Menge eines Zusatzstoffes, die mit größter Wahrscheinlichkeit gesundheitlich unbedenklich ist, hat sich der ADI-Wert etabliert. 

Die Abkürzung steht für "acceptable daily intake", was etwa als "duldbare tägliche Aufnahme" übersetzt werden kann. Der ADI-Wert gibt die Menge eines Stoffes an, die über die gesamte Lebenszeit täglich gegessen werden kann, ohne dass dadurch gesundheitliche Gefahren zu erwarten wären. Er wird in Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht und Tag (mg/kg Körpergewicht * d) oder verkürzt als mg/kg Körpergewicht angegeben.

Entstehung

Grundlage des ADI-Wertes sind Fütterungsversuche an Tieren. Dabei wird der Zusatzstoff in den Testreihen in unterschiedlichen Dosierungen verabreicht und ermittelt, bei welcher Menge keine gesundheitsrelevanten Effekte zu beobachten sind. Unter der Voraussetzung, dass die maßgeblichen Verdauungs-, Stoffwechsel- und Ausscheidungswege der Versuchstiere denen des Menschen entsprechen, wird dieser No-observed-effect-Level (NOEL) mit dem Sicherheitsfaktor 10 auf den Menschen übertragen. Um sicher zu gehen, dass auch nicht gesunde, nicht ideal ernährte Menschen und besonders empfindliche Verbraucher keine Schäden durch die Stoffe davontragen, wird an das Ergebnis häufig abermals der Sicherheitsfaktor 10 angelegt. Das Ergebnis dieser Bewertungen ist der ADI-Wert.

Bewertung

Der ADI-Wert ist kein Grenzwert. Wird er hin und wieder überschritten, besteht, auch wegen des hohen Sicherheitsfaktors, keine Gefahr. Eine dauerhafte Überschreitung sollte jedoch vermieden werden. So liegt zum Beispiel der ADI-Wert für PHB-Ester (E 214E 214) bei 10 mg/kg Körpergewicht. Ein 70 kg schwerer Mensch sollte also nicht über längere Zeiträume mehr als 700 mg des Konservierungsstoffes am Tag zu sich nehmen, ein 40 kg schweres Kind nicht mehr als 400 mg. PHB-Ester sind unter anderem für Kartoffelchips und Süßigkeiten zugelassen. Je nach Essgewohnheiten und Gewicht des Essenden, kann also der ADI-Wert im Alltag durchaus überschritten werden.

Warum findet sich nicht für jeden Lebensmittelzusatzstoff ein ADI-Wert?

Dass für einige Stoffe von Seiten der zulassenden Institutionen kein ADI-Wert festgelegt worden ist, kann verschiedene Gründe haben:

  • (a) Ergeben die verfügbaren toxikologischen, biochemischen und klinischen Daten keinen Hinweis darauf, dass im Rahmen gewöhnlicher Ernährungsgewohnheiten und bei einer ordnungsgemäßen Verwendung des Stoffes in der Lebensmittelindustrie gesundheitliche Gefahren zu erwarten wären, muss kein ADI-Wert festgelegt werden. Meist erfolgt dann auch keine Höchstmengenbeschränkung. Solche Stoffe dürfen jedoch keineswegs in beliebiger Menge eingesetzt werden. Der Grundsatz "quantum satis" (so viel wie nötig, so wenig wie möglich), verpflichtet die Hersteller dazu, den Stoff nicht stärker zu dosieren, als für die Wirksamkeit unbedingt notwendig ist.

  • (b) Es kommt durchaus vor, dass sich für einen Stoff kein No-observed-effect-Level (NOEL) ermitteln lässt: Im Tierversuch wurden also bei jeder Dosierung gesundheitsrelevante Wirkungen auf den Organismus beobachtet. Dann kann kein ADI-Wert festgelegt werden. Kommen die zulassenden Institutionen jedoch zu dem Ergebnis, dass in der betrachteten Anwendung und bei Begrenzung der Menge keine gesundheitlichen Gefahren zu erwarten sind, kann der jeweilige Zusatzstoff dennoch zugelassen werden. So ist zum Beispiel Borsäure (E 284E 284) in geringen Mengen für die Konservierung echten Kaviars zugelassen: Die Gefahren einer Vergiftung durch das verdorbene Lebensmittel werden höher eingeschätzt als jene, die durch den Konservierungsstoff entstehen könnten. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass echter Kaviar nur selten und in geringen Mengen gegessen wird.

22. September 2006 [nach oben springen]

© Copyright 2000 - 2014 Die Verbraucher Initiative e.V. | Impressum | Website by Webmotive