Do 23.11.2017 | 19:27 Uhr

E 124

Cochenillerot A

 

Farbstoff

 

auch: Ponceau 4 R, Victoriascharlach 4 R

 

Erläuterung

Der künstliche Farbstoff Cochenillerot A färbt Lebensmittel rot. Er gehört zur Gruppe der AzofarbstoffeAzofarbstoffe und ist eng mit dem Amaranth (E 123)Amaranth (E 123) verwandt. Cochenillerot A ist gut in Wasser und Alkohol löslich. Während der Farbstoff beständig gegen Hitze und Säure ist, erhält die Farbe in basischen Lösungen einen bräunlichen Stich.

Herstellung

Cochenillerot A wird in einem mehrstufigen Prozess, der so genannten Azokupplung, chemisch synthetisiert. Dabei entsteht die für alle Azofarbstoffe charakteristische Azogruppe aus zwei Stickstoffatomen. Unter Cochenillerot A wird im Allgemeinen das Natriumsalz der Verbindung verstanden. Das Calcium- und Kaliumsalz sowie der Aluminiumlack sind jedoch ebenfalls zugelassen.

Einsatz

Cochenillerot A darf nur bestimmten Lebensmitteln zugesetzt werden. Dafür gelten zudem strenge Höchstmengen:

  • essbare Käserinden und Wursthüllen (qs)

  • Soßen, Würzmittel, Chutneys (500 mg/kg)

  • Lachsersatz, Surimi (500 mg/kg)

  • Nahrungsergänzungsmittel (max. 300 mg/kg)

  • Senf (300 mg/kg)

  • Spirituosen, Frucht- und Obstweine (max. 200 mg/l)

  • Gesalzene Knabberartikel aus Kartoffeln oder Getreide (200 mg/kg)

  • Schmelzkäse (100 mg/kg)

  • Fleisch- und Fischersatzprodukte aus pflanzlichem Eiweiß (max. 100 mg/kg)

  • Süßwaren, Speiseeis, Desserts (50 mg/kg)

  • Kuchen, Kekse, Blätterteiggebäck (50 mg/kg)

  • Brausepulver, Brausen, Sirup (max. 50 mg/l)

Um Violett- oder Brauntöne zu erhalten, wird Cochenillerot mit anderen Farbstoffen gemischt. Der Farbstoff wird darüber hinaus zum Färben von Arzneimitteln, Kosmetika und Textilien zugelassen.

(qs = quantum satis (wörtlich etwa: ausreichende Menge). Eine Höchstmenge ist nicht vorgeschrieben. Es darf jedoch nur soviel eingesetzt werden, wie für die gewünschte Wirkung unbedingt notwendig ist.)

Sicherheit

  • ADI‑WertADI‑Wert: 0,7 mg/kg Körpergewicht
  • Cochenillerot A kann bei entsprechend veranlagten Menschen allergische Symptome (PseudoallergiePseudoallergie) auslösen. Insbesondere, wenn bereits eine AllergieAllergie gegen Salicylsäure und ihre Abkömmlinge besteht, kann es zu Symptomen auf der Haut oder an den Atemwegen kommen.

  • Die so genannten Salicylate finden sich in Aspirin (Wirkstoff Acetylsalicylsäure) sowie natürlicherweise in Ananas, Apfelsinen, Aprikosen, Erdbeeren, Grapefruit, Himbeeren, Honig, Johannisbeeren (rot und schwarz), Weintrauben und Zitronen. Auch Personen, die empfindlich auf Benzoesäure (E 210)Benzoesäure (E 210) reagieren oder unter Asthma leiden, können pseudoallergisch auf Cochenillerot A reagieren.

  • Lebensmittel, die diesen Farbstoff enthalten, müssen seit dem 20. Juli 2010 den folgenden Hinweis auf dem Etikett tragen: "kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen".

 

Siehe auch:

 

Dokumentation
Wissenschaftliche Bewertung
Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA Bewertung der Ergebnisse der Studie von McCann et al. (2007) zu den Auswirkungen einiger Farbstoffe und von Natriumbenzoat auf das Verhalten von Kindern
Weitere Informationen
Europäisches Parlament: Neue EU-Gesetzgebung zu Lebensmittelzusatzstoffen (Pressemitteilung vom 8. Juli 2008
Fragen und Antworten
Die häufigsten Fragen - und die Antworten
Die Datenbank. Über zusatzstoffe-online.de.
Recht und Zulassung
Was ist ein Zusatzstoff?
Zulassung
Kennzeichnung
Neue EU-Gesetzgebung
Links: Behörden, Expertengremien, Gesetzestexte
Herstellung und Verwendung
Die Funktionsklassen
Von Antioxidationsmittel bis Verdickungsmittel
Gentechnik bei der Herstellung von Zusatzstoffen
Zusatzstoffe aus tierischen Rohstoffen
Zusatzstoffe in Bio-Lebensmitteln
Gesundheit
ADI-Wert: Wie viel Zusatzstoff darf's sein?
Machen Zusatzstoffe krank?
Stoffwechselkrankheiten: Unverträgliche Zusatzstoffe
Allergien durch Zusatzstoffe?
12. Dezember 2013 [nach oben springen]

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